„Verkehrsflußhindernis“ auf Tigrinya?

Seit 4 Jahren engagiert sich die Evangelische Kirchengemeinde in Biestow für Flüchtlinge. Besonders junge Menschen aus Eritrea finden zu uns. Nun, da die ersten Hürden genommen sind, finden immer mehr junge Menschen einen Arbeits- oder sogar einen Ausbildungsplatz.
Damit kommen nun auch ganz neue Wünsche auf, z.B. hier in Deutschland den Führerschein zu erwerben.  Zum einen, weil der Traum des eigenen Auto(fahren)s bzw. seine Realisierung ein Stück Selbstverwirklichung im neuen Land bedeutet, zum anderen auch, weil viele Arbeitgeber in der Speditions- und Logistikbranche händeringend nach Mitarbeitern mit Führerschein suchen. Der PKW-Führerschein ist oftmals die Eintrittskarte in diesen Arbeitsbereich, LKW- Führerschein oder Gabelstaplerschein können dann oftmals draufgesattelt werden.
Prima Idee also, doch eine Prüfung abzulegen ist selbst für deutsche Schüler schwer! Etwa 40% aller Schüler fallen durch die Theorie und die 1. Praxisprüfung, denn die „Fahrschulsprache“ ist eine schwere Sprache! Erst recht für Menschen, die noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Freundlicherweise gibt es die Theoriebögen deshalb in englisch, französisch, arabisch und 6 weiteren Sprachen, aber leider nicht in Tigrinya, der Hauptsprache Eritreas.
Also, was tun? Wer kann die amtlichen Prüfungsfragen (ca. 950 Stück auf 60 Bögen! ) von Deutsch auf Tigrinya übersetzen? Ein vereidigter Übersetzer ist unbezahlbar, deshalb machten wir uns selber ran an`s Werk. Im August wurde das erste Mal nach dem Gottesdienst in Biestow zum Fahrschulvorbereitungskurs eingeladen. Schnell stellte sich heraus, dass man als Gruppe durchaus in der Lage ist, das schwierige Fachdeutsch zu übersetzen. Besonders wenn der Initiator Frank Kraschewski die Fahrschulbögen mit dem Beamer an die Wand projiziert und mit Fotos die umständlichsten Wörter einfach erklärt: ein Fluss, ein Felsbrocken drin und das Ganze auf der Straße: ein „Verkehrsflußhindernis“, no problem!
Inzwischen ist aus Frank Kraschewski und Melake Haile aus Eritrea (2. Lehrjahr zum Mechatroniker) ein DreamTeam geworden, das jeden Sonntag mit neu übersetzten Bögen,  in denen stundenlange gemeinsame Vorarbeit steckt, aufwartet. Schließlich sollen die Bögen mit der Übersetzung am Ende genauso professionell aussehen wie die Originale. Nach eingehender Diskussion wird die vorgeschlagene Übersetzung dann übernommen oder abgeändert. Nur ein allseits akzeptierter Bogen wird abgehakt. Und so kämpfen sich die Biestower Jungs und Mädels jeden Sonntag ein Stück weiter, bis sie sich gut genug für eine Fahrschulanmeldung fühlen. Zwei haben ihren Führerschein sogar schon in der Hand.
Über das Ziel hinaus, den Führerschein zu erwerben, wollen wir die Materialien so gut aufarbeiten, dass sie ins Internet gestellt werden können. Somit könnten alle Eritreer im deutschsprachigen Raum in den Genuss dieser Schulungsmöglichkeit in ihrer Sprache kommen.
Unser Projekt folgt dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Auch Sie können helfen! Zum Beispiel durch eine Fahrschulpartnerschaft mit einem oder zwei Eritreern, in der sie sich gegenseitig schulen und eigenes Wissen auffrischen. Oder auch durch eine Spende auf das Konto unserer Kirchengemeinde mit dem Stichwort „Tigrinya Fahrschule“.  Damit unterstützen Sie die hohen Prüfungsgebühren der Teilnehmer, die eine große Belastung darstellen.

Egal ob aktiv oder passiv: Jede Hilfe und Anregung ist uns willkommen! Schreiben Sie uns:
fahrschule-tigrinya@web.de

Frank Kraschewski

Spendenkonto:
Ev.-Luth. Pfarre Biestow
IBAN: DE 88 13050000 0201009056
BIC: NOLADE21ROS
Stichwort „Tigrinya Fahrschule“